Konstantin Wecker

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Wecker.de

Liebe Freunde!

Toll, dass Ihr wieder das antifaschistische, selbstorganisierte und selbstfinanzierte Kinder- und Jugendfestival auf die Beine gestellt habt. Ich kann leider nicht dabei sein weil ich bereits lange zugesagte Konzerttermine habe, sende Euch aber sehr gerne als Schirmherr solidarische Grüße.
Einer der Leitsätze meines Lebens lautet „Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“. Was wäre die deutsche Geschichte ohne die antifaschistischen Widerstandskämpfer im 2. Weltkrieg! Ich habe 1982 für den Film „Die Weiße Rose“ von Michael Verhoeven die Musik komponiert und damals auch ein gleichnamiges Lied geschrieben.
 
1943, kurz vor dem Ende der Nazidiktatur, wurden die Geschwister Sophie und Hans Scholl und vier weitere Mitglieder der Widerstandsbewegung "Die Weiße Rose" in München hingerichtet. Ihnen und all denen, die sich auch heute noch dem Faschismus entgegenstellen, ist dieses Lied zugeeignet.
 
Jetzt haben sie euch zur Legende gemacht
und in Unwirklichkeiten versponnen,
denn dann ist einem - um den Vergleich gebracht -
das schlechte Gewissen genommen.
Ihr wärt heute genauso unbequem
wie alle, die zwischen den Fahnen stehn,
denn die aufrecht gehn, sind in jedem System
nur historisch hochangesehn.
 
Ihr wärt hier so wichtig, Sophie und Hans,
Alexander und all die andern,
eure Schlichtheit und euer Mut,
euer Gottvertrauen - ach, tät das gut!
Denn die Menschlichkeit, man kann´s verstehn,
ist hierzuland eher ungern gesehn
und beschloß deshalb auszuwandern.
 
Ihr habt geschrien,
wo alle schwiegen,
obwohl ein Schrei nichts ändern kann,
ihr habt gewartet, ihr seid geblieben,
ihr habt geschrien,
wo alle schwiegen -
es ging ums Tun und
nicht ums Siegen!
 
Das Land ist sicher menschlicher seitdem.
doch noch wird geduckt und getreten.
Der Herbst an der Isar ist wunderschön,
und in den Wäldern lagern Raketen.
 
Ich würd mal mit euch für mein Leben gern
ein paar Stunden zusammensitzen,
doch so nah ihr mir seid, dazu seid ihr zu fern,
trotzdem werd ich die Ohren spitzen.
 
Ihr wärt hier so wichtig, Sophie und Hans,
Alexander und all die andern,
eure Schlichtheit und euer Mut,
euer Gottvertrauen - ach, tät das gut!
Denn die Menschlichkeit, man kann´s verstehn,
ist hierzuland eher ungern gesehn
und beschloß deshalb auszuwandern.
 
Ihr habt geschrien,
wo alle schwiegen,
obwohl ein Schrei nichts ändern kann,
ihr habt gewartet,
ihr seid geblieben,
ihr habt geschrien,
wo alle schwiegen -
es geht ums Tun
und nicht ums Siegen!
 
Liebe Freunde, bleibt unbequem, steht aufrecht, passt auf die Menschlichkeit auf, schreit wo alle schweigen und macht Euch mit Euren Liedern gegenseitig Mut! Ich wünsche Euch ein kreatives, friedliches Festival. Und: Lasst Euch nicht beirren liebe Freunde in Eurem antifaschistischen Einsatz!
 
Konstantin Wecker

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